ORTOVOX Peak Light 32 – Hochtourenrucksack im Test

Der ORTOVOX Peak Light 32 ist eher ein schlichter bzw. einfacher Rucksack. Zumindest ist das der Eindruck wenn man sich nur auf das Äußere des Rucksacks beschränkt. Schaut man hingegen genauer hin entdeckt man viele kleine durchdachte Details, die dieses Leichtgewicht zu einem sehr vielseitigen Begleiter für Alpin-, Kletter- und Wandertouren machen.

Aber fangen wir doch einfach mal direkt mit dem Stauraum an. Die Standardversion des ORTOVOX Peak Light 32 verfügt wie der Name schon vermuten lässt über ein Fassungsvermögen von 32l. In der kürzeren S-Version (kurze Rückenlänge) beträgt es ca. 30l.

Das mag sich auf den 1. Blick nun recht wenig anhören, aber im direkten Vergleich mit meinem Gregory Zulu 30 kommt mir der Stauraum des Peak Light doch „gefühlt“ ein ganzes Stück größer vor. Für eine Tagestour mit viel Ausrüstung, eine Mehrtagestour oder eine Hüttentour mit der Familie würde ich persönlich dann allerdings doch eher einen Rucksack oberhalb von 45l favorisieren.

Die 32l Fassungsvermögen teilen sich dann auch in erstaunlich wenig Taschen auf. So sucht man die mittlerweile bei Wanderrucksäcken zum Standard gewordenen Seitentaschen für die Trinkflasche oder die großen Mesh-Taschen auf der Front bei diesem Rucksack vergeblich. Es gibt ein großes Hauptfach, eine äußere und eine innere Deckeltasche, sowie eine Kartentasche auf der Front.

Wer möchte kann ggf. noch zusätzliche Ausrüstung wie z.B. sperrige Kletterseile oder eine dickere Jacke unter das höhenverstellbare Deckelfach klemmen. Durch den robusten etwa 2/3 umlaufenden Reißverschluss auf der Rucksackfront besteht so auch noch jederzeit die Möglichkeit an die Ausrüstung im großen Hauptfach zu gelangen. Insgesamt ist diese zusätzliche Zugriffsmöglichkeit sehr praktisch wenn man mal wieder an die Dinge gelangen möchte die wie üblich ganz unten im Rucksack liegen.

Das Deckelfach ist im übrigen nicht nur in der Höhe verstellbar, sondern auch wahlweise komplett abnehmbar oder im Hauptfach verstaubar. Die Nähte im inneren des Deckelfach wurden komplett getapt und alle Reißverschlüsse sind wasserdicht und gleichzeitig ist das verarbeitete Material PU-beschichtet. Der Rucksack ist somit sicherlich nicht komplett dicht wie ein DryBag aber ein kräftiger Regenschauer ist absolut kein Problem und so bleibt die Ausrüstung auch bei widrigen Wetterverhältnissen stets trocken.

Wenn man den ORTOVOX Peak Light 32 zum ersten Mal in der Hand hält fällt einem direkt hochwertige Verarbeitung und das extrem reiß- und abriebfeste 420D Oxford Nylon auf. Man merkt einfach direkt, dass dieser Rucksack für anspruchsvolle Touren entwickelt wurde. Trotzdem ist der kleine Kerl mit seinen 1,1 kg ein richtiges alpines Leichtgewicht. Entfernt man dann noch das Deckelfach, die Hüftgurtpolsterung und die herausnehmbare Alu-Rückenversteifung, lässt sich das Gewicht auf ca. 790g reduzieren.

Wie es sich für einen richtigen Hochtourenrucksack gehört findet ihr selbstverständlich auch zwei Befestigungsmöglichkeiten für eure Pickel oder Eisgeräte. Ein interessantes technisches Detail ist hingegen eine kleine Befestigungsschlaufe im linken Schulterträger sowie im Hüftgurt. Hier könnt ihr euren Pickel mal kurz verstauen wenn ihr einfach mal für ein paar Minuten die Hand frei haben möchtet.

Der Punkt „Sicherheit“ wird im Hause ORTOVOX groß geschrieben und daher wird nicht nur ein Helmnetz direkt mitgeliefert, sondern ihr findet im inneren des Hauptfachs auch 3 verschiedene Schlaufen um eure Sicherheitsausrüstung wie z.B. die Lawinensonde, Schaufel etc. entsprechend zu befestigen. Zum ORTOVOX-Standard bei Rucksäcken gehört darüber hinaus eine Notfallkarte (mit Notrufnummern, Notsignalen usw.), ein Brustgurt mit Signalpfeife, Kompressionsriemen und eine weitgehend helle Innenraumfarbe.

In der Regel bevorzuge ich Rucksäcke mit einem Netzrücken um eine bessere Belüftung zu erreichen. Für mich persönlich war das Swisswool-Tec-Knit-Rückensystem mit thermogepresster Wolle am Anfang daher auch etwas gewöhnungsbedürftig. Dabei werden die Wollpads zonal in Kontaktbereichen mit dem Rücken eingesetzt und speichern große Feuchtigkeitsmengen, ohne sich nass anzufühlen.

Der ORTOVOX Peak Light 32 liegt somit komplett am Rücken an. Es fühlt sich auf der Tour weder feucht an, noch reibt die Wolle irgendwie bei Bewegungen unangenehm am Rücken. Der Rucksack ist in meinen Augen schlicht einfach extrem bequem.

Relativ kühl wird es dann jedoch wenn man den Rucksack nach einer längeren Pause mit den noch feuchten Wollpads wieder aufsetzen möchte. Dann braucht es schon eine gewisse Zeit bis sich das angenehm trockene Gefühl am Rücken wieder eingestellt hat. Persönlich bin ich jedoch extrem überrascht wie gut ein Woll-Rücken dann am Ende doch funktioniert.

Zum Schluß noch ein paar Worte zum Hüftgurt: Dieser ist ausreichend groß dimensioniert, sehr gut gepolstert und lässt sich bequem einstellen. Auf der rechten Seite befindet sich eine kleine Tasche die leider nur mit einem Klettverschluß gesichert wird. Hier bekommt man eventuell ein dünnes Handy, einen Riegel oder eine Packung Kaugummi rein. Viel Platz ist in dieser Tasche wirklich nicht und richtig sicher fühlt sich das ganze durch den Klett auch nicht an. Ich persönlich hätte mir da eher eine etwas größere wasserdichte Tasche mit Reißverschluss gewünscht. Auch wenn das ggf. ein paar Gramm auf die Waage gebracht hätte.

Auf der linken Seite des Hüftgurtes findet sich statt einer Tasche eine robuste Materialschlaufe. Hier könnt ihr bei Bedarf eure Karabiner, Expressschlingen oder Eisschrauben einhängen. Meiner Meinung nach ein ganz nützliches und erwähnenswertes Detail.

Mein Fazit zum ORTOVOX Peak Light 32

Auch wenn dieser Rucksack speziell für Hochtouren entwickelt wurde, eignet er sich meiner Meinung nach auch absolut für Wanderungen, Bergtouren oder Klettersteige. Wer über die fehlenden Taschen am Hüftgurt hinwegsehen kann bekommt einen schlichten, leichten, robusten und wirklich vielseitigen Rucksack mit zahlreichen interessanten technischen Details.

Bei diesem Rucksack merkt man wirklich, den Spagat der Entwickler zwischen Gewicht, Wetterfestigkeit und größtmöglicher Praxistauglichkeit. Für ca. 180 € bekommt ihr einen rundum gelungenen Begleiter für eure kommenden Touren.

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